Wurzeln
Geschichte der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe


Ordensgemeinschaften im Wandel
Die Aufklärung führte im 17./18. Jahrhundert zu einer kritischen Haltung gegenüber Glaube und Kirche und schließlich zur Säkularisation. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es ganze Landstriche ohne Klöster und kirchliches Leben. Doch dann begann ein neues Fragen nach Gott. An vielen Orten taten sich Frauen zusammen, um ein geistliches Leben zu führen und auf die drängenden sozialen Nöte zu antworten. Aus diesen Gruppierungen entstanden neue Ordensgemeinschaften. Im 19. Jahrhundert wurden allein in Deutschland über 70 franziskanische Frauengemeinschaften gegründet.
Vom 19. zum 20. Jahrhundert:
Dienst in Zeiten des Umbruchs
Immer wieder stellten sich die Schwestern den politischen Gegebenheiten und den sozialen und kirchlichen Entwicklungen. Erzieherische und Lehrtätigkeiten wie auch die Krankenpflege gehörten von Anfang an zu den Aufgaben der Schwestern. Während der Kriege im 19. und 20. Jahrhundert ließen sie sich für den Lazarettdienst engagieren. Sie beherbergten Flüchtlinge und halfen der notleidenden Bevölkerung. Im 20. Jahrhundert eröffneten sich ihnen auch die pastoralen Berufe. In neuerer Zeit erkennen sie zunehmend ihre Aufgabe darin, nicht nur helfend den Menschen nahe zu sein, sondern auch die ungerechten und krank machenden Strukturen in den Blick zu nehmen und sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen.
„Das wachsende Bewusstsein von dem gemeinsamen Schicksal und der Zusammengehörigkeit aller Völker lenkt unsere Aufmerksamkeit sowohl auf die gemeinsamen Hoffnungen als auch auf die Probleme der ganzen Welt.
Als weltweite franziskanische Kongregation stellen wir uns diesen Problemen und lassen einander teilhaben an unseren Bemühungen, unserem Wissen und unseren Möglichkeiten. Unsere Gemeinschaft, zu der Menschen aus verschiedenen Kulturen gehören, bemüht sich, dazu beizutragen, dass das Reich Gottes kommt.“
Generalkonstitutionen Nr. 79

Mit dem zunehmenden Wachstum der Gemeinschaft und der Ausbreitung in unterschiedlichen Kulturkreisen stellte sich schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Frage nach entsprechenden Leitungsstrukturen. Es brauchte eine Aufteilung, um den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort besser gerecht zu werden.
Gemeinschaft heute – weltweit verbunden
Immer fühlten sich die Schwestern berufen, das, was ihnen selbst im Glauben und in der Gemeinschaft geschenkt worden ist, an andere weiterzugeben. Brasilianische Schwestern gingen nach Guatemala und Argentinien. Die drei Provinzen der USA entsandten Schwestern nach Mexiko. In beiden Ländern sprach das Zeugnis der Schwestern so an, dass einheimische Frauen um die Aufnahme in die Gemeinschaft baten. Indonesische Schwestern erfüllen ihre Sendung in Osttimor. Einige Missionen wurden begonnen und sind mittlerweile geschlossen, aus ganz verschiedenen, oft politischen Gründen.
„Wir wollen – im Einklang mit allen Geschöpfen und mit der Sehnsucht der ganzen Menschheit – uns selbst und anderen mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit und mehr kreative Hilfen schenken, damit wir aus der inneren Mitte leben können, in der Gott in uns wohnt. Von diesem inneren Ort kommend, gehen wir geschwisterlich auf die Menschen zu. Unsere eigene Kultur wollen wir schätzen und lieben und all das bekämpfen, was ihr schadet. Das hilft uns, auch die Kulturen der anderen zu achten und zu lieben.“
Das Generalkapitel 1999 umschrieb in seinem Statement
den Auftrag der Gemeinschaft für heute.

