Wurzeln

Piktogramm einer Hand, die eine Pflanze samt Wurzeln schützend umfasst, als Symbol für Wurzeln.
Holzkruzifix an einer Wand mit Schwestern im Vordergrund, eine davon im Rollstuhl.

Die Aufklärung führte im 17./18. Jahrhundert zu einer kritischen Haltung gegenüber Glaube und Kirche und schließlich zur Säkularisation. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es ganze Landstriche ohne Klöster und kirchliches Leben. Doch dann begann ein neues Fragen nach Gott. An vielen Orten taten sich Frauen zusammen, um ein geistliches Leben zu führen und auf die drängenden sozialen Nöte zu antworten. Aus diesen Gruppierungen entstanden neue Ordensgemeinschaften. Im 19. Jahrhundert wurden allein in Deutschland über 70 franziskanische Frauengemeinschaften gegründet.

wurden die Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe in Heythuysen in den Niederlanden gegründet.

kamen die ersten Schwestern von Catharina Damen aus den Niederlanden nach Deutschland. Sie gingen nach Warendorf-Freckenhorst und nach Sonsbeck/Hamb im Bistum Münster. Es folgten zahlreiche Gründungen in den Bistümern Köln und Trier.

schloss sich Angela von Cordier mit einigen Gefährtinnen der Gemeinschaft an. Sie war die Besitzerin der Rheininsel Nonnenwerth und des damals säkularisierten Klosters. Nun wurde es von den Franziskanerinnen neu gestaltet.

gingen einige Schwestern von Freckenhorst in das westpreußische Konitz. Aus diesem kleinen Beginn entwickelte sich die polnische Ordensprovinz mit heute etwa 130 Schwestern.

zogen 10 Schwestern nach Niederländisch-Ost-Indien, in das heutige Indonesien. Heute zählt die indonesischen Ordensprovinz ca. 300 Schwestern aus den verschiedenen Kulturen des Inselstaates.

brach in Preußen der Kulturkampf aus. 1872 wurden die Jesuiten des Landes verwiesen. Ordensfrauen durften keine erzieherischen Aufgaben und Lehrtätigkeiten mehr ausüben. Sie mussten sich anderen Aufgaben widmen oder siedelten um ins Ausland.

folgten einige Schwestern dem Ruf deutscher Jesuiten nach Brasilien.

siedelten weitere Schwestern in die USA. Die Gemeinschaft breitete sich in beiden Ländern schnell aus. Heute leben in Brasilien etwa 300 und in den USA 150 Schwestern.

Luftaufnahme vom Antoniuskloster.

wurde die erste Teilung in eine niederländische und eine deutsche Provinz vorgenommen. Die deutsche Provinzleitung hatte ihren Sitz auf Nonnenwerth. Von daher wurden die Schwestern in Deutschland häufig „Nonnenwerther Franziskanerinnen“ genannt.

wurde die deutsche Provinz noch einmal geteilt. Das zweite Provinzialat wurde in Lüdinghausen errichtet, daher der Name „Lüdinghauser Franziskanerinnen“. Auch andernorts entstanden selbständige Provinzen. Heute sind es elf Verwaltungseinheiten (Provinzen u. ä.) mit insgesamt knapp 1.000 Schwestern in allen Kontinenten und 12 Ländern. Die Generalleitung hat ihren Sitz in Rom und nimmt ihren Dienst der Animation und Leitung im Sinne der Subsidiarität wahr. Die Entscheidungskompetenz liegt hauptsächlich in den einzelnen Ordensprovinzen mit ihren je eigenen Gegebenheiten.

gingen niederländische Schwestern nach Tansania. Sie unterhielten Schulen und Krankenhäuser und gaben in allem Zeugnis von einem menschenfreundlichen Gott. Sie unterstützten und begleiteten junge afrikanische Frauen auf ihrem Weg in einheimische geistliche Gemeinschaften.

entschied die Ordensleitung, in Tansania eine internationale Kommunität zu gründen, die das Werk der niederländischen Schwestern weiterführen und sich auch zur Aufnahme von afrikanischen Frauen öffnen sollte. Schwestern aus Nord- und Südamerika, aus Indonesien und Polen ließen sich engagieren. Inzwischen haben etwa 50 afrikanische Frauen sich durch ihre Profess an die Gemeinschaft gebunden und nehmen ohne die Anwesenheit von Schwestern aus anderen Ländern selbst die Aufgaben in Leitung und Ordensausbildung wahr.

Immer fühlten sich die Schwestern berufen, das, was ihnen selbst im Glauben und in der Gemeinschaft geschenkt worden ist, an andere weiterzugeben. Brasilianische Schwestern gingen nach Guatemala und Argentinien. Die drei Provinzen der USA entsandten Schwestern nach Mexiko. In beiden Ländern sprach das Zeugnis der Schwestern so an, dass einheimische Frauen um die Aufnahme in die Gemeinschaft baten. Indonesische Schwestern erfüllen ihre Sendung in Osttimor. Einige Missionen wurden begonnen und sind mittlerweile geschlossen, aus ganz verschiedenen, oft politischen Gründen.

„Wir wollen – im Einklang mit allen Geschöpfen und mit der Sehnsucht der ganzen Menschheit – uns selbst und anderen mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit und mehr kreative Hilfen schenken, damit wir aus der inneren Mitte leben können, in der Gott in uns wohnt. Von diesem inneren Ort kommend, gehen wir geschwisterlich auf die Menschen zu. Unsere eigene Kultur wollen wir schätzen und lieben und all das bekämpfen, was ihr schadet. Das hilft uns, auch die Kulturen der anderen zu achten und zu lieben.“

Das Generalkapitel 1999 umschrieb in seinem Statement
den Auftrag der Gemeinschaft für heute.
Gruppenaufnahme von sechs Schwestern aus aller Welt.
Bildcollage: Links zwei Schwestern die sich am Arm halten. Rechts Gruppenaufnahme von drei Schwestern im Gespräch. Davor das Tau-Kreuz.